Musik

Fotos – Nach dem Goldrausch

29.Juni 2009


Damals, im Goldrausch… Fotos hatten im Spätsommer 2006 ihr Debüt veröffentlicht, und zwischen großzügiger Promoarbeit der Plattenfirma und den überzeugenden Fähigkeiten der Band hätten Fotos eigentlich ganz groß rauskommen können. Ganz groß wurde es zwar nicht, immerhin aber schon ziemlich, gerade für ein Debüt. Die Ähnlichkeiten zum britischen Indie-Rock, zu den musikalischen Nachkommen der Wave-Generation, waren bei Fotos deutlich zu spüren. Damals war die Indie-Szene immer noch hin und weg von Maximo Park und Bloc Party, die Arctic Monkeys waren schon zur wichtigsten Band des Jahres gehypet worden (Zwischenfrage: sollte man “(to) hype” überhaupt wie ein deutsches Verb gebrauchen dürfen?), und Franz Ferdinand (wo sind die eigentlich?) schwebten ein wenig wie Urväter über den Dingen.

Im zyklischen Weltbild der Musikbranche wurde es schließlich Zeit für ein zweites Album, und wie so viele andere Bands mussten auch Fotos erstmal alles verarbeiten. Zeit für Das Stück Auf Dem Zweiten Album Über Das Erste AlbumTM – “Nach dem Goldrausch”. Und wie heißt es so schön, wenn auch nicht in diesem Lied? “Jetzt geht wieder alles von vorne los”. Und damit kommen dann auch die Selbstzweifel zurück, schließlich ist Sänger Tom Hessler nach eigener Aussage „ein Thomas und kein Thomas Mann“.

Nach dem Goldrausch ist vor dem Goldrausch

Was aber das wichtigste ist – irgendwie klingt das anders als vorher. Produzierter, rhythmischer, vielleicht ein wenig bunter und poppiger. Vor allem der Hintergrundgesang wirkt viel künstlerischer und künstlicher, als man das bei einer Live-Band erwartet. Fotos sind also nach dem Goldrausch doch nicht genau da, wo sie vorher waren. Aber ob man nun böse unterstellt, dass hier ein neuer Markt geöffnet werden soll oder positiv den Entwicklungswillen der Band hervorhebt, im Kern ist eins gleich geblieben – nämlich die Qualität der Songs. Bei einigen Nummern fällt der neue Sound stark auf (z.B. „Ein Freak und ein Spinner“), andere dagegen hätten genauso schon auf der ersten Platte sein können (z.B. „Explodieren“).

Die Ähnlichkeit zur britischen Szene schwindet ein wenig, die stärksten Franz Ferdinand-Assoziationen hat man wohl bei dem Song, der genauso heißt wie die Band (aber, keine Sorge, nicht von der Band handelt). Wenn man Fotos nun in die deutsche Musikszene eingliedern möchte, kommt man irgendwann auf Wir Sind Helden, und das passt sogar besser als der Helden-Vergleich bei anderen Band-mit-Mädchen-am-Mikro-Bands. „Nach dem Goldrausch“ endet mit „Kalifornien“, einem der Hauptaustragungsorte des Goldrausches. Und Überraschung, es handelt sich um eine komplette alternative Version des Titelstücks, die man im Vegleichs-Zwang vielleicht noch schnell in die Nähe von Keimzeit rückt. Aber vielleicht sollte man einfach selber reinhören, anstatt sich auf Vergleiche zu verlassen…

Weitere Infos gibt es auf der offiziellen Homepage oder bei MySpace.

Autor: Marco Bloch

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