Von Groove bis Gänsehaut

Rockapella machten ihrem Namen im Bonner Pantheon alle Ehre

„Rockapella“ – Dieser Name verspricht eine Kombination aus Rock und A Capella, reinem Gesang also. Auf den ersten Blick scheint das ein Widerspruch, denn Rock lebt ja unter anderem von lauten Gitarren- und Schlagzeug-Klängen. Aber das Prinzip funktioniert tatsächlich: Rockapella beeindruckten das Publikum des Bonner Pantheons am 20.05.2010 mit viel Rock, viel Groove, viel Tanz und guter Stimmung.

Die fünf Sänger müssen nur die Bühne betreten und schon haben sie das Publikum vollkommen im Griff. Zunächst ist da das allgemeine Erstaunen: So etwas machen die wirklich ohne Instrumente? Das stimmt tatsächlich, und das beweisen Rockapella auch, indem sie mehrfach erklären, wie ihre Musik funktioniert. Zuerst kommt der Bass George Baldi, dann das Schlagzeug in Person von Jeff Thacher, bei der Hauptmelodie und den Unterstimmen wechseln sich Steven Dorian, John K. Brown und Scott Leonard ab, wobei letzterer vor allem in den hohen Lagen glänzen kann. Alles zusammen bildet einen unvergleichlichen Sound, den man bei kaum einer anderen A Capella-Gruppe findet.

Neue Besetzung

Steven Dorian ist erst seit Anfang des Jahres Teil der Gruppe, das erzählte er im bonncampus 96,8-Interview.

Auf der Bühne sieht man davon nichts. Dorian gliedert sich perfekt in die Gruppe ein und singt und bewegt sich so, als ob er schon seit Jahren mit den anderen auf der Bühne stehen würde. Lediglich bei einer der Zugaben, einem deutschen Comedian-Harmonists-Medley, braucht er noch einen Spickzettel für den Text. Auch die anderen Band-Mitglieder sind mit dem Neuen sehr zufrieden, erzählte Scott Leonard.

„See the Rockapella dancers“

Ein Abend mit Rockapella bedeutet nicht nur den großartigen Stimmen der Herren zu lauschen, sondern auch ihre gut abgestimmten und perfekt ausgeführten Tänze zu sehen. Jeder tanzt auf seine Art und Weise, aber allen sieht man an: Der Abend macht ihnen Spaß. Und das Tanzen ist einfach ein Teil davon, meint Scott Leonard.

Rockapella spulen nicht einfach ihr Programm ab, sondern stellen sich auf den Ort ein, an dem sie sich befinden. Sänger Scott Leonard beeindruckt bei seinen Ansagen mit vielen deutschen Sätzen. Aber auch die anderen Band-Mitglieder fühlen sich in Deutschland wohl, so Bassist George Baldi.

„Do it Rockapella!“

Rockapella lieben die Interaktion mit dem Publikum. Gleich bei mehreren Songs baten sie verschiedene Zuschauerinnen auf die Bühne, um sie in ihre Show einzubeziehen. Und für den bekannten Titelsong der Serie "Where in the World is Carmen Sandiego?" brauchten die Herren dann auch die Aufforderung durch das Publikum: „Do it Rockapella!“ Mit dem Ende des Konzerts war der Abend für Rockapella aber noch nicht ganz beendet: Nach dem Auftritt suchte die Gruppe im Foyer das Gespräch mit dem Publikum.

Verschiedene Talente

Rockapella lebt davon, dass die Band-Mitglieder verschiedene Talente mitbringen. Steven Dorian und John K. Brown haben tolle Stimmen und ziehen das Publikum in ihren Bann. Scott Leonard singt in atemberaubenden Höhen – alles kein Problem für ihn, das hat er schon immer so gemacht.

Besonders beeindruckt ist das Publikum aber von Bass und Schlagzeug – das merkt man vor allem während einem Solo von Jeff Thacher und George Baldi. Sie bringen den nötigen Groove. Kaum vorstellbar, dass man allein mit seinem Körper und zwei Mikrofonen einen solchen Schlagzeug-Sound erzeugen kann. Für Jeff Thacher ist das kein Problem.

Und George Baldi kann beim Publikum gleich doppelt punkten. Er kann nicht nur unglaublich tief, sondern auch unglaublich hoch singen. Dafür musste er hart arbeiten.

Das letzte Studio-Album hat Rockapella 2002 veröffentlicht. Dann gab es 2004 noch eine Live-Aufnahme. Nun sind die Herren wieder im Studio und arbeiten an einem neuen Album, dass noch 2010 erscheinen wird. Jeff Thacher freut sich darauf.

Insgesamt beweisen Rockapella eine große musikalische Bandbreite. Sie singen viele rockige Songs, aber auch die Balladen kommen nicht zu kurz. Für den letzten Song legten alle ihre Mikrofone beiseite und sorgten so für große Intimität und richtiges Gänsehaut-Feeling. Das Bonner Publikum war begeistert und belohnte die Künstler mit viel Applaus.

Autor: Lisa Mattil


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