“Ich sachet Sie” – Herbert Knebel in Bonn
14.Dezember 2011

Frührentner Herbert Knebel war am vergangenen Dienstag mit seinem neuen Programm “Ich glaub, ich geh kaputt” zu Gast in der Bonner Oper. Sein Publikum lag ihm wohlwollend zu Füßen.
Ein Beitrag von Gero Simone
Bereits über sieben Jahre gibt es die Comedyreihe “Quatsch keine Oper” in Bonn, in deren Rahmen Komiker-Urgestein Herbert Knebel auftrat. Sieben Jahre sind allerdings nur ein Bruchteil der Zeit, die Knebel alias Uwe Lyko auf der Bühne steht.
Etwa 23 Jahre ist es her, als die Figur Herbert Knebel beim Rumalbern mit Freunden in einer Kneipe entstand. Seitdem sei es nicht einfacher geworden, jedes Jahr auf neue Ideen für ein Bühnenprogramm zu kommen, so Uwe Lyko im Interview mit bonncampus 96,8: ”Früher ist es einem nur so zugeflogen. Heute muss ich mich meinen beiden Co-Autoren zusammensetzen. Man kann das Rad nicht neu erfinden.”
So kommen vor allem alt bekannte Themen wie Ehe, Internet und die Prolljugend in Bussen und Bahnen im neuen Programm vor, die man so oder ähnlich auch schon bei anderen Comedians gesehen hat. Knebel brilliert eher bei Nacherzählungen seiner Alltagserlebnisse aus den eigenen vier Wänden, wie zum Beispiel seine Entdeckung von Sexseiten im WWW: “Da sind Sachen dabei, die kannte ich noch nich` mal aus meinen Flitterwochen.”, oder seinen ersten Aufzeichnungen im Tagebuch: “3:13 Uhr: Habe `rausgefunden, dass das Schnarchen aus mein` Frau kommt.”
Die Knebelsche Komik liegt nicht so sehr in den Anekdoten an sich, sondern in seiner Art sie vorzutragen. Die gespielte Tapsigkeit eines Frührentners gepaart mit Wortwitzen kommen beim Bonner Publikum gut an. Jedes Mal, wenn Knebel ein Wort auf seine ganz eigene Weise ausspricht, hört man aus dem Publikum zahlreiche Echos, wie ”Sinse Fiktschen Filme”, “Tätowationen” oder “Rasantigkeit”.
Das zweistündige Programm wurde immer wieder von Liedern angereichert, die vom äußerst begabten Gitarrenspieler Ozzy Ostermann begleitet und ebenso talentierten Sänger und Rapper Herbert Knebel zum besten gegeben wurden. Irritierend waren allerdings zwei Stücke, die allein von Ostermann an der Gitarre vorgetragen wurden, zu denen Knebel jeweils die Bühne verließ. Diese hatten eher Fahrstuhlcharakter und führten zu einem Stimmungsbruch im sonst so zackigen Programm.
(Herbert Knebel und Ozzy Ostermann bei gesanglichen und körperlichen Höchstleistungen Foto: Gero Simone)
Stattdessen hätte man sich mehr Lieder, wie das Finale gewünscht, zu dem Knebel sogar seine Mundharmonika auspackte und den Zuschauern noch einmal ordentlich einheizte. Insgesamt war es, um es in den Worten einer Zuschauerin zu sagen, “ein netter Abend”. Die Mehrheit des Bonner Publikums jedoch feierte Kult-Knebel bis zum Schluss und bedachte ihn mit viel Applaus.
Mehr Potenzial haben allerdings wohl die Vorführungen, bei denen Knebel mit dem gesamten Affentheater auf der Bühne steht. Uwe Lyko selbst findet derzeit größeren Gefallen am Komplettprogramm: ” Mit dem neuen Affentheater Programm, das wir erst im Oktober fertig gestellt haben, ist uns ein großer Wurf gelungen.” Die beste Möglichkeit sich das Affentheater Programm anzuschauen, bietet sich dem Bonner Publikum am 22. April 2012 in Siegburg.
Hört hier Erfinder und Schauspieler Uwe Lyko im bonncampus 96,8 Interview über Knebels Erlebnisse in modernen Zeiten, seine Entstehung und möglichen Studienwunsch.
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(Wannabe-Sportstudent Herbert Knebel beim Wettrennen mit Reporter Gero Simone – Foto: Marc Bracht)
Weitere Fotos hier:
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Link: Knebel`s Affentheater






