Wer schreitet so spät durch Nacht und Wind?
22.Dezember 2011
Ein Nachtwächter, der seine Schicht beginnt. Seit kurzem werden in Bonn zur nächtlichen Stunde geführte Touren angeboten. Die haben wir uns einmal näher angeschaut.
Ein Beitrag von Katharina Weber

Der Nachtwächter (Foto: Christian Esser)
Es ist kurz vor neun, an einem Freitagabend in Bonn. Eigentlich sieht alles aus wie immer. Der Marktplatz ist vergleichsweise leer, die Sternstraße von Weihnachtsbeleuchtung erhellt und hier und dort spazieren ein paar Menschen durch die Straßen. Aber etwas ist doch anders als sonst. Am Fuße des Rathauses hat sich eine kleine Gruppe versammelt und in ihrer Mitte steht ein seltsam gekleideter Mann mit einer Fackel in der Hand. Stimmungsvoll untermalt von den Glockenschlägen der Rathausuhr stellt er sich schließlich in mittelalterlicher Redensart vor. Denn er ist ein Nachtwächter und entführt unsere Gruppe in die Vergangenheit der Stadt Bonn.
Auf der Tour durch die Innenstadt passieren wir anschließend viele Orte und Sehenswürdigkeiten, die wir schon oft gesehen, aber nie hinterfragt haben. Die Stehle mitten auf dem Marktplatz zum Beispiel wurde von Bonner Bürgern aufgestellt, die erleichtert über den Tod ihres verschwenderischen Kurfürsten Clemens August waren. Heute jedenfalls können wir uns mit Recht über die Steuerverschwendungen von damals freuen, denn immerhin wurde mit ihnen das Poppelsdorfer Schloss und die Universität finanziert.

Das Alte Rathaus bei Nacht (Foto: Christian Esser)
Wer nach dieser Einleitung nun eine fade Geschichtsstunde erwartet, den darf ich getrost beruhigen: der Tourguide versteht sich darauf geschichtliche Fakten durch lustige Anekdoten zu vermitteln und viele Jahreszahlen beschränken sich auf ein „Ende“, „Anfang“ oder „Mitte des Jahrhunderts“.
Der Legende nach leitet sich übrigens der Name der Stadt Bonn von einem Zitat Caesars ab. Beim ersten Blick auf die Stadt soll er „Bona“! ausgerufen haben, was lateinisch ist und in etwa „gut“ bedeutet. So erzählt es zumindest die Legende.
Nach ungefähr eineinhalb Stunden kehren wir zurück zum Rathaus, wo uns der Guide mit einem veränderten Blick auf Bonn wieder in die Neuzeit entlässt.
Wem diese Geschichten nun Hunger auf mehr machen oder wer wissen will, warum Beethovens Nachbar verhaftet wurde, woher der Name der Bonner Traditionskneipe Zum Gequetschten stammt und was es mit den „Hasenohren“ am Münster, sowie den Köpfen davor auf sich hat, dem kann ich diese Nachwächter-Fackeltour nur empfehlen. Für alle, die gerade erst nach Bonn gezogen sind, aber auch für alle alteingesessenen Bonner, die ihre Stadt einmal von einer anderen Seite kennen lernen möchten, ist diese kleine Reise durch die Vergangenheit genau das Richtige.
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